3, 2, 1, live

Alles war bereit für die Aufzeichnung. Wir hatten eine Live-Schaltung in’s Internet. Zeitgleich sollten Gäste, die es nicht nach Berlin in’s Mövenpick geschafft haben, die Präsentation verfolgen können. Per Chat sollten Fragen gestellt werden können. Ein Assistent würde sie vom iPad aus vorlesen und der Fachdozent für Hepatologie direkt beantworten können. Wir waren mit zwei Kameras, viel Technik und fünf hochqualifizierten Menschen vor Ort.

Und dann fiel der hoteleigene Beamer aus. 5 Minuten vor Beginn der Veranstaltung.

Ein Hoteltechniker suchte ein neues Gerät während meine Mitarbeiter die Reparatur versuchten. Ich dachte, es ist eigentlich egal, wo in dieser Kette die Fehlerquelle liegt. Letztlich ist die Produktion schuld. Also ich. Ich stand da und versuchte, Ruhe auszustrahlen. Ein anderer Beamer des Hotels war bei einer Veranstaltung im Einsatz. Ein externes Gerät zu beschaffen und zu installieren würde vermutlich Stunden dauern. Die Reihen füllten sich mit nichtsahnenden Teilnehmern. Mein Job war nun, die Mitarbeiter ungestört arbeiten zu lassen. Ich dachte an den schönen Satz von Brecht: „Wir dürfen nicht hetzen – wir haben keine Zeit!“. 

Wie im billigsten Action-Movie fanden meine Mitarbeiter 30 Sekunden vor Beginn einen Weg, das Teil zu überlisten (Portwechsel). Später, als die Veranstaltung perfekt wie am Schnürchen lief, trat meine Kundin zu mir und flüsterte, ob alles in Ordnung sei.
Ich sähe so blass aus.

 

 

 

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