Auf Augenhöhe

Für die Interviewposition bei Video-Interviews gilt klassischerweise die Regel: Kamera auf Augenhöhe. Das ist gut und richtig!
Es fehlt allerdings in den einschlägigen Anleitungen meistens der Hinweis, dass auch die interviewende Person einigermaßen in Blickhöhe sein sollte.



Frau Dr. Constanze Kurz zum Beispiel, die kompetente und hocheloquente Sprecherin des Chaos Computer Clubs, wirkt in diesem Interview vor einer offenbar erheblich größeren Person optisch wie eine Konfirmandin.

Zur Erklärung: Ein Video-Interview stellt den Interviewten vor die Kamera und den Interviewer meistens daneben. Die interviewte Person schaut also an der Kamera vorbei zur interviewenden Person. Letztere bleibt inzwischen meist unsichtbar und zunehmend auch anonym. Die gestellten Fragen treten oft nicht in Erscheinung, sondern ergeben sich in der Regel aus den Antworten, der vorangestellten Anmoderation oder sie werden – wie im Beispiel – als Text dazwischen geblendet.
Wir haben uns daran gewöhnt, obwohl wir als User ohne die Fragen ja keinem Interview, sondern eher Statements beiwohnen und daher der interviewten Person auch gerne in die Augen schauen würden.
Warum sollte sie der Interviewerin etwas anderes erzählen als uns?
Und wenn Frau Dr. Kurz so prominent vor der Kamera steht und wir so dicht vor ihr sind, warum beachtet sie uns nicht?
Sicher nicht aus Ignoranz, sondern einfach aus Gewohnheit.
Außerdem ist es ein weites Feld und in der Herstellung natürlich nicht das Gleiche, ob Sie als Interviewter zu einem Menschen oder in die Kamera sprechen. Allerdings ist es in der „YouTube-Generation“, deren Angstfreiheit in diesem Punkt auch auf andere Generationen abstrahlt, erfahrungsgemäß kaum noch ein Problem, Menschen dazu zu bewegen, ihre Meinung authentisch in die Kamera und damit dem Zuschauer direkt mitzuteilen.
Schon gar nicht für Dr. Constanze Kurz.
Damit wäre sie nach der oben erwähnten minimalsten Regel auch optisch in jedem Fall auf Augenhöhe.

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