Der Weg zum Hochstatus – Über Modalpartikel und wie man sie vermeidet (4)

Eine Anweisung zum Abgewöhnen
Teil 4: „Oops! … I Did It Again!“

Während einer Präsentation vor der Kamera können von uns viele störende – oder sagen wir „nicht hilfreiche“ – Verhaltensweisen positiv beeinflusst werden. Ohne Training oder Coaching-Einheit: Einfach durch Hinweise und „Gutes Zureden“.

Die Reduzierung überflüssiger Modalpartikel gehört leider nicht dazu.

Ein wirkungsvoller Vortrag braucht Eloquenz. Die Präsentation soll flüssig ablaufen. Ein sicheres Auftreten schafft Glaubwürdigkeit.
Aber der unmittelbare Hinweis auf diese vermaledeiten Modalpartikel würde in der Regel das Gegenteil erreichen: Das Wörtchen stolpert dann etwas später im Redefluss dennoch aus dem Mund, wird nachträglich realisiert, und damit ist es vorbei mit der Eloquenz: „Oops! … I Did It Again!“
Hier führt Selbsterkenntnis – zumindest im ersten Schritt – noch nicht zur Besserung.

Die Erkenntnis muss tiefer greifen. Wir müssen die Ursache erkennen und dann die Souveränität trainieren. Hilfreich ist hier, sich die Grundsituation nahezu jeder Präsentation vor Augen zu führen:

A erklärt B etwas.
Das heißt: A weiß mehr als B.

Natürlich kann es passieren, das mir jemand in einer Präsentation nichts Neues erzählt. Aber das ist nicht die Grundsituation.

Selbst eine Hospitantin, die vom Konzernchef aufgefordert wird, bestimmte Abläufe zu präsentieren, wird sich damit soweit beschäftigt haben, dass sie in diesem Punkt mehr weiß als der Konzernchef.
Und das weiß auch der Konzernchef, wenn er kein Ignorant ist.

Die Hierarchie ist bei einer Präsentation eindeutig: Die Rolle der Präsentierenden hat immer den Hochstatus. Dieser Status ist inhaltlich begründet und moralisch unanfechtbar.
Das hat nichts mit Arroganz oder Missachtung des Publikums zu tun.
Im Gegenteil: Die Angst vor dem Auftritt, die Angst vor der vermeintlichen „Konfrontation“ – oft garniert mit falsch verstandener Political Correctness – führen dazu, die notwendige Rolle zu verweigern, die das Publikum sehen will.
Und die Verwendung von Modalpartikeln ist ein Symptom dieser Angst.
Wir entschuldigen uns dafür, dass wir „hier halt eben kurz etwas erzählen – oder so“, anstatt konkret zu präsentieren, was unser Gegenüber hören soll – und in den allermeisten Fällen auch hören will!

Das Training dieser Rolle, das Üben des Hochstatus ist einer der wichtigsten Etappen auf dem Weg zu einer effektiven Präsentation. Die Abtönungspartikel – und das ist die gute Nachricht – werden auf diesem Weg von selbst verschwinden.
Wie das gelingen kann, erzählen wir in der kommenden Folge.

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