IM DUNSTKREIS DER RESIGNATION – Über Modalpartikel und wie man sie vermeidet (2)

Eine Anweisung zum Abgewöhnen
Teil 2: „Ist halt so“

Wer im Internet Erklärungen zum Modal- oder Abtönungspartikel „halt“ sucht, stößt schnell auf den Begriff „Resignation“. Das sollte zum Abgewöhnen eigentlich schon reichen. Denn wer bei der Präsentation resigniert, wird kaum zum Ziel kommen.

Modalpartikel sind nahezu immer überflüssig, und der jeweilige Satz funktioniert immer auch ohne diese Teilchen. Dennoch gibt es eine Unterscheidung zwischen möglichen und unmöglichen – also eindeutig falschen – Anwendungen.
Abtönungspartikel drücken bestenfalls eine zusätzliche persönliche Haltung, eine individuelle Stimmung zum Sachverhalt aus. Sie „tönen“ also eine Aussage in die eine oder andere Richtung „ab“. Diese Abtönung wird übrigens fast nie in geschriebenen Texten ausgeführt, sondern nahezu ausschließlich in der wörtlichen Rede.

Im Satz: „Wir müssen halt alle sterben“, verändert das „halt“ den Satz in seiner Kernaussage nicht: „Wir müssen alle sterben“. Allerdings fügt der Partikel hier eine Art resignatives Bedauern hinzu. Im Sinne von „Ist so; kannste nix machen“.
Die Voraussetzung für dieses Bedauern ist, dass der Inhalt nicht gewünscht ist.
Das was „halt“ passiert muss akzeptiert werden, obwohl wir das in der Regel nicht wollen.

Nehmen wir den Satz: „Ich wollte in den Club, aber ich bin nicht reingekommen.“
Hier liegt – je nach dem Ausdruck in der Stimme – immerhin noch eine gewisse Empörung verborgen.
Wenn ich aber sage: „Ich bin halt nicht reingekommen“ impliziert das ein verbales Schulterzucken. Ich hab’s akzeptiert und konnte und kann es nicht ändern.

Wenn aber jemand sagen will: „Wir haben sieben Kinder“ und garniert diese Aussage mit einem „halt“, dann möchte man nicht eines der Kinder sein, denn „Wir haben halt sieben Kinder“ fügt einen bedauernden Ausdruck von Resignation hinzu.
Ist das gewollt, ist das natürlich in Ordnung, aber das Problem ist: In den meisten Fällen werden diese Partikel unbewusst gesetzt. Sie erscheinen als reine Füllwörter und ersetzen dann nur noch den Verzögerungspartikel „äh“.

Nur: Die Zuhörenden registrieren nicht das Unbewusste, sondern die sich übertragende Grundhaltung.

Wer in einem Bericht mehrfach den Partikel „halt“ einsetzt, wird auf die Dauer das Interesse seiner Zuschauer verlieren.
Nehmen wir folgende Erzählung:
„Wir haben den Patienten mit Verdacht auf eine Pneumonie aufgenommen und während der Untersuchung ein Lungenabszess gefunden. Der 70-Jährige hatte eine Reihe von Vorerkrankungen, und daher waren wir hochgradig alarmiert.“
Wer diese Geschichte resignativ garnieren will, erzählt sie folgendermaßen:
„Wir haben den Patienten halt mit Verdacht auf eine Pneumonie aufgenommen und während der Untersuchung hat sich dann halt herausgestellt, dass ein Lungenabszess vorliegt. Der 70-Jährige hatte halt eine Reihe von Vorerkrankungen, und da waren wir halt hochgradig alarmiert.“

Sie glauben sicher, wir übertreiben, aber dem ist nicht so. Solche Sätze werden genau so vorgetragen. Sie kommen häufig vor – und zwar meistens bei Menschen mit unsicherem Auftreten, oftmals Anfänger, Schülerinnen, Assistentinnen etc. Wer diesbezüglich nicht an sich arbeitet, übernimmt diese Abtönung in den alltäglichen Sprachgebrauch und umgibt sich mit einem Dunstkreis an Resignation.

In der nächsten Folge untersuchen wir, woher diese Angewohnheit kommt und wie wir sie in den Griff bekommen.

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